Statt wie geplant elf kamen drei zum Mini-Workhop Fernseh-Journalismus: Paul (Erfurt), Antonia (Meiningen) und Henriette (Jena) waren an diesem sonnigen Wintersamstag (20. Februar) zum mdr-Landesfunkhaus gekommen. Sie gehen in die 7./8. Klasse, sind in den Jungen Medien Thüringen und haben schon einige journalistische Erfahrung. Paul schreibt seit zwei Jahren in der Schülerzeitung mit, trat im Film auf und schrieb über die Kinderkult-Messe für die TA. Über Kinderkult berichtete auch schon Antonia, sie hat sogar schon Beiträge für “Hallo zum Sonntag” geliefert. Henriette versucht gerade mit drei Anderen, eine Schülerzeitung ins Leben zu rufen.
Das Trio war deshalb gespannt, wie Referentin Heidje Beutel ihnen die Welt des Fernsehens und den Zugang dorthin vorstellte. Auf einer Ad-Hoc-Redaktionssitzung sammelten unsere Jongjournalisten Themen, die sich für einen Beitrag im Thüringen-Journal am gleichen Abend um 19 Uhr eignen. Ein Vorschlag war der Thüringen stammende Berufsschüler, der an seiner Berufsschule in Ludwigshafen einen Lehrer erstach – man könnte doch die Ex-Schüler befragen, wie der Täter vorher beschaffen war.
Ein zweites Thema war Olympia und Silber im Eisschnelllauf für Stefanie Beckert aus Kerspleben bei Erfurt – ein Interview mit der hiesigen Familie. Oder aber, ob Abschleppdienste von der Kälte profitieren, ob Schlitten ausverkauft sind, und angesichts des drohenden Pilotenstreiks bei der Lufthansa, welche Thüringer unbedingt in dieser Zeit fliegen müssen und wie sie reagieren.
Unsere Drei sollten außerdem einmal einen tatsächlich produzierten Beitrag “nachproduzieren”. Thema war die geplante Ortsumgehung von Mosbach bei Eisenach und der Widerstand einer neuen Bürgerinitiative dagegen, die Lärm und Beton fürchtet. Ein Zeitungsbeitrag war Grundlage – was sind Anlass, Thema, Kernsatz, unsere geplante Sichtweise und die praktische Umsetzung? Die Zeitung zeigte beinahe nur die Sicht des Widerstandes – gibt es aber auch Profiteure der neuen Straße, wo sind sie zu finden und wie einzubinden? Wie groß ist das Problem wirklich, wie bekommen wir Fotomontagen oder ähnliches?
Paul, Antonia und Henriette wurden schnell Kameraleute und Planer – wen oder was filmen wir wann mit welcher Technik. Das Trio entwickelte einen Terminplan – dicht gepackt 8 Uhr Abfahrt aus Erfurt, Mitfahrt mit genervtem Lkw-Fahrer auf alter, bergiger Strecke, Treffen und Interviews mit Bürgerinitiative Mosbach, Landschaftsaufnahmen, 14 Uhr fertig. Nach Rückfahrt von 16 bis 18 Uhr schneiden und mischen, 19 Uhr Sendung. Aber damit nicht genug – auch eine Anmoderation für den Ansager muss noch her. Die drei Schüler schrieben eine Handvoll kurze Sätze auf, die in 20 oder 25 Sekunden sprechbar sind. Gar nicht einfach, alles Wichtige flüssig lesbar unterzubekommen. Doch alle Varianten waren pfiffig und persönlich überzeugend vorgetragen – Talent haben alle drei.
Heidje zeigte ihnen dann ihren ausgestrahlten Beitrag. Staunen angesichts der vielen Inhalte und Perspektiven, die in 2,5 Minuten gezeigt werden können. Staunen auch angesichts der vielen kleinen Büros in dem gläsernen Gebäude, in dem sich viele Festangestellte und Freie ergänzen müssen, damit 24 Stunden reibungslos gesendet werden kann. Die Dienstpläne sind lang und reichen weit in die Zukunft. Unsere Gäste konnten schließlich auch noch viel Technik kennenlernen.
Bei der Führung im Studio des “Thüringen Journal” erfuhren die drei, weshalb 60 heiße Scheinwerfer nötig sind – und ja alle Schatten auszutreiben -, warum Boden und Wände blau sind – die sogenannte Blue Box, auf deren Oberfläche der Computer imaginär Kulissen und bewegte Bilder projiziert, und warum der Text immer so schön gleichmäßig vorgelesen wird, ohne aufs Blatt zu schauen – der für Zuschauer nicht sichtbare Teleprompter vor der Kamera bildet den Text groß und fließend ab. Unser Trio wusste schon von vielen Schmink- und Kleidervorschriften für die Moderatoren – warum also später nicht auch mal vor der Kamera stehen? Im Radiostudio und in den Hallen des Kinderkanals wurde das Bild dann komplett. Henriette, Antonia und Paul werden mit einiger Sicherheit nicht das letzte Mal hier gewesen sein.